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04.01.2022

Protest gegen das Verbot der Menschenrechtsorganisation „Memorial“ in Moskau

Das Geschichtsforum beim Parteivorstand der SPD protestiert energisch gegen das Verbot der Menschenrechtsorganisation „Memorial“ in Moskau. Seit ihrer Gründung während der Perestroika steht „Memorial“ für eine kritische Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Stalinismus und für die Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur in Russland. Zugleich hat die Organisation in den vergangenen drei Jahrzehnten die Politik im post-kommunistischen Russland kritisch begleitet und stets auf die Einhaltung der Menschenrechte gepocht. Das Archiv von „Memorial“ gehört zu den bedeutendsten Sammlungen zur Geschichte der totalen Herrschaft in der Sowjetunion. Es enthält Material zu mehr als einer Million Opfern politischer Repression. „Memorial“ ist für seine aufklärerische Arbeit mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnet worden.


Bereits seit vielen Jahren wird die Tätigkeit von „Memorial“ vom russischen Staat massiv eingeschränkt und behindert. Der Einstufung als „ausländischer Agent“ folgte nun das Verbotsverfahren. Für deutsche und europäische Historikerinnen und Historiker war „Memorial“ stets einer der wichtigsten Anlaufpunkte in Moskau. Mit dem Verbot der Organisation verlieren auch wir wichtige Ansprechpartner. Es handelt sich um einen gezielten Schlag gegen die russische Zivilgesellschaft und gegen die internationale Zusammenarbeit in der Zeitgeschichte.

Die kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts ist eine Voraussetzung für Freiheit und Demokratie in Europa. Leider ist die Freiheit der Wissenschaft und des zivilgesellschaftlichen Engagements in Russland im vergangenen Jahrzehnt dramatisch eingeschränkt worden. Wir protestieren gegen das repressive Vorgehen der russischen Autoritäten, fordern sie auf, ihren Kurs zu revidieren und versichern unseren russischen Kolleginnen und Kollegen unsere volle Solidarität und Unterstützung.