arrow-leftarrow-rightclosecontrastdownloadeasy-languagefacebookinstagramlogo-spe-kleinmailmenueMinusPlusprintsearchsoundtarget-blankTwitteryoutube
Inhaltsbereich

Die Corona-Pandemie in historischer Perspektive

Welche Bedeutung besitzt Gesundheitspolitik für die deutsche Sozialdemokratie? Gedanken anlässlich der Corona-Krise 2020

von Nikolas Dörr (Universität Bremen)

Die Corona-Pandemie stellt eine Zäsur in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland dar. Seit ihrer Gründung hat es keine von der Dauer und Intensität her vergleichbaren Einschnitte in das persönliche Leben der gesamten Bevölkerung gegeben. Das gilt auch für die DDR. Zwar hat es, vor allem im Rahmen der beiden Ölkrisen, infolge der Wiedervereinigung und ausgelöst durch die globale Finanzkrise ab 2007 vergleichbare ökonomische Krisen gegeben, die in Teilen zu einer andauernden Massenarbeitslosigkeit führten. Die Kombination mit erhöhter Gesundheitsgefahr, mehr als 180.000 Erkrankten und 8.500 Toten (Stand 02.06.2020) sowie in Teilen noch deutlich stärkerer Folgen im Ausland ist eine in diesem Ausmaß seit 1949 unbekannte Erfahrung.

Die Pandemie hat Auswirkungen auf alle Politikfelder. Am deutlichsten zeigt sich dies im Bereich der Gesundheitspolitik auf der einen sowie der Wirtschafts- Finanz-, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik auf der anderen Seite. Aber auch die Europa- und Außenpolitik, Bildungs- und Forschungspolitik, Entwicklungshilfepolitik, Landwirtschaftspolitik bis hin zur Sport-, Kultur- und Geschichts- und Erinnerungspolitik1 sind betroffen. Eine Prognose scheint bislang kaum möglich. Die Ausblicke reichen von dystopischen Szenarien infolge einer deutlich verstärkten Ansteckungswelle ab dem Herbst mit einer Rückkehr zu einem länger andauernden Lockdown bis hin zur baldigen Lösung des Problems durch die globale Bereitstellung eines Impfstoffes innerhalb weniger Monate....

Den gesamten Text können sie hier als PDF downloaden.

Sozialpolitik, Corona-Pandemie und der Blick in die Vergangenheit in unsicheren Zeiten

von Nicole Kramer (Goethe-Universität Frankfurt a.M.)

Täglich ändert sich die Situation. Infektionszahlen steigen und sinken, Virolog*innen erweiteren und revidieren immer wieder das Wissen über Inkubationszeit, Übertragungswege und Eigenschaften des Erregers. In den täglichen Sprachgebrauch mischen sich bisher unbekannte Vokabeln wie Superspreader, Aerosole oder Herdenimmunität. Man tut gut daran, sich in punkto Maskenpflicht, Abstandsregeln oder Reiseeinschränkungen auf dem Laufenden zu halten, denn Vorgaben verändern sich schnell.

In Zeiten der Ungewissheit sind Expert*innen der gegenwartsorientierten Wissenschaften meist sehr gefragt, mehr noch, wenn sie Prognosen über die Zukunft vorlegen. Wozu braucht es den Blick in die Vergangenheit in einer solchen Situation? Verstärkt melden sich Historiker*innen zu Wort oder werden gebeten, mit Blick auf die Vergangenheit ihre Einschätzungen zur aktuellen Lage zu geben. Im diachronen Vergleich rückt meist die „Spanische Grippe“ 1918-1920, sowie, wenngleich weit weniger, die Grippewellen 1957 und 1968 in den Vordergrund. Viele der Kolleg*innen haben dabei eine Sache sehr deutlich gemacht, nämlich dass der gesellschaftliche und sozialpolitische Kontext jeweils sehr unterschiedlich war und ist. Dies beeinträchtigt den Erkenntnisgewinn. Auffällig ist im Vergleich zur momentanen Situation, dass insbesondere die „Spanische Grippe“ in vielen Ländern – u.a. auch in Deutschland – weit weniger als Erfahrungszäsur wahrgenommen wurde, weil sie in die Endphase des Ersten Weltkriegs und in eine durch sozio-ökonomische Krisen gekennzeichnete Nachkriegszeit fiel. Die Corona-Pandemie 2020 wird hingegen schon jetzt als tiefer Einschnitt empfunden, wobei die unmittelbare auch von historisch arbeitenden Professionen vorangetriebene Historisierung (man beachte die vielen Sammlungsaufrufe von Museen für Erfahrungsberichte und Objekte aus „Corona-Zeiten“) auffällt. Abzuwarten bleibt, ob aus der Erfahrungs- auch eine Deutungszäsur (Martin Sabrow) wird...

Den gesamten Text können sie hier als PDF downloaden.

Homeoffice, Heimarbeit, in der Corona-Krise

von Bernd Rother

Homeoffice, Heimarbeit, ist in der Corona-Krise zu einem Schlüsselbegriff geworden. Aus der Notlösung, um Erwerbsarbeit auch in Zeiten von Kontaktsperre zu ermöglichen, wurde schnell eine verheißungsvolle Perspektive für die Arbeitswelt in der digitalisierten Gesellschaft. Gewerkschaften und Arbeitsministerium verlangen nun ein „Recht auf Homeoffice“.

Vor 100, 150 Jahren hätte man sich verwundert die Augen gerieben, warum so viele Menschen unbedingt nach diesem elendsten aller Arbeitsverhältnisse strebten. Heimarbeit stand für die Herstellung von Textilien, Spielzeug oder Musikinstrumenten durch schlecht bezahlte Arbeitskräfte. Der einzige Wohnraum war zugleich Küche, Schlafzimmer und Werkstatt. Staub und Abgase verpesteten die Luft im Haus. Kinder arbeiteten mit, weil sonst das Einkommen nicht zum Leben reichte. Heinrich Heines „Weberlied“ handelt von den Schrecken der Heimarbeit:

„Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,
Wir weben emsig Tag und Nacht –
Altdeutschland, wir weben Dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch,
Wir weben, wir weben!“

Den gesamten Text können sie hier als PDF downloaden.